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NEUJAHRSKONZERT 2014

6. Jänner 2014, 11.00 Uhr, Großes Festspielhaus Salzburg
Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg
Konzertmeister: Wenzel Fuchs, 1. Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker
Dirigent: Hansjörg Angerer

„Eine musikalische Reise von Wien über Spanien nach Lateinamerika“

Werke von J. Fucik, F. v. Suppé, Joh. Strauss, G. Bizet, A. Márquez, A. Ginastera, L. Bernstein u. a.

Im 16. Jahrhundert gehörten Wien, Spanien und Lateinamerika zu einem Weltreich, in dem die Sonne nie unterging. Das Weltreich ist untergegangen, aber die Sonne der Musik strahlt hell wie seit eh und je. Die heißen Rhythmen des Südens, der Zauber des Flamenco und des Jota – all dies hat in der Musik beider Welten, Europas und Amerikas, einen festen Platz. Die Grenzen zwischen einer so genannten „E“- und einer „U“-Musik waren in Wien, Madrid oder Mexiko immer offen. So beginnt dieses Neujahrskonzert der Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg mit Musik von Julius Fučik. Der war ein tschechischer Militärkapellmeister der alten österreichisch-ungarischen Monarchie und  komponierte auch Kammermusik. Mit diesem Marsch erwies er der k. u. k. Marine seine Reverenz. Und das Konzert endet mit dem glühenden, puertoricanischen „Mambo“ aus der Feder Leonard Bernsteins, der in der Carnegie Hall ebenso daheim war wie im Wiener Musikverein und am Broadway.

Nach dem Admirals-Marsch machen die Matrosen Urlaub in Wien, wie sie zu Klängen des Dalmatiners Suppé einen Morgen, einen Mittag und einen wahrscheinlich langen Abend erleben. Vielleicht schauen sie dabei auch am Trabrennplatz in der Krieau vorbei und plaudern mit einem Jockey nach Noten von Josef Strauss. Schon dessen Vater hatte sich für den spanischen Tanz „Cachucha“ begeistert, während der junge Hellmesberger den Wiener Walzer mit iberischen Motiven anreicherte und der „Walzerkönig“ Johann der spanischen Königin Maria Christina einen Marsch widmete. Die war eine Habsburgerin und regierte Spanien 17 Jahre lang für ihren minderjährigen Sohn, dessen Enkel derzeit am Thron in Madrid sitzt. In ihre Regierungszeit fällt die erste Blütezeit der Zarzuela. Die „spanische Operette“ ist nach barocken Singspielen benannt, die im Madrider Palacio de la Zarzuela – dem Palast bei den Dornbüschen – gespielt wurden. Die Musik dieser Stücke um Liebe und Leidenschaft ist aber gar nicht dornig, sondern melodienselig und voll explosiver Tanzfreude. Die Komponisten Guerrero und Serrano gehörten der nächsten Generation der Zarzuela an und hatten nicht nur ihren Johann Strauss, sondern auch ihren Franz Lehár gut studiert.

Auf der Weiterreise  machen wir Station in Sevilla, denn dort spielt die Geschichte von „Carmen“, der spanischen „Zigeunerin“ par excellence, welche der Franzose Bizet unsterblich gemacht hat. Es wird auch Zeit, dass ein Torero ins Spiel kommt – wer weiß, vielleicht gibt es ihn ja bald nur mehr auf der Opernbühne. Nicht weit von Sevilla ist die alte Maurenresidenz Granada, die der Mexikaner Agustin Lara unwiderstehlich besungen hat. In dieser Gegend tanzen Mann und Frau auch den Paso Doble, den Doppelschritt, nach Noten Meister Narros. Mit „nostalgischen Melodien und wilden Rhythmen“ wollte Arturo Marquez seiner Liebe zur populären Musik seiner Heimat Mexiko und ihrer speziellen Farbigkeit und Harmonik Ausdruck geben - der „Danzón Nr. 2“ wurde ein Welterfolg unserer Zeit. Die „Conga“ ist eine Trommel und ein kubanischer Volkstanz; wilde Rhythmen treffen auf warmen Bläserklang.  

Das Finale gehört vor Bernstein dem großen argentinischen Komponisten Alberto Ginastera und seinem Ballett „Estancia“, welches einen Tag der Gauchos, der Hirten auf einer Rinderfarm in der Pampa schildert. Lassen wir Ginastera das letzte Wort auf dieser tönenden Reise durch Landschaften und Gefühle: „Immer wenn ich durch die Pampa gekommen war oder eine Weile in ihr gelebt hatte, fühlte sich mein Geist von wechselnden Eindrücken überflutet, manche fröhlich, manche melancholisch, die einen voller Euphorie, die anderen getränkt mit tiefer Ruhe – alles hervorgerufen durch die grenzenlose Weite des Landes und die Verwandlung, welche es während eines Tages durchmacht.“

Gottfried Franz Kasparek